Cielo himmelblau Manfred H. Freude – 2004 CIELO himmelsblau sonett Ich habe diesen Himmel mir nicht ausgesucht den ewig hohen den unendlich blauen Es sind schon viele aufgefahren und kamen nicht zurück und auch die untergingen fielen tief. Wer sucht schon selbst den Himmel aus der ständig weint und brüllt und wenn er schlägt mit seinem Zorn Wohin soll ich mich wenden ohne Ort? Nur an den Straßen gibt es Halt doch warten wir doch vergebens oft Bewegen uns am gleichen Platz ein Leben lang. Ich bin nicht unter diesem Himmel Ich bin nicht unter diesem Blau Ich bin ein Stern wie alle dort hochfern

#documenta6

Die Documenta 6 fand vom 24. Juni bis 2. Oktober 1977 in Kassel statt und war die größte je veranstaltete Kunstausstellung in Deutschland. Ihr künstlerischer Leiter war Manfred Schneckenburger, Wieland Schmied war für die Sektion Zeichnung verantwortlich. An der Documenta 6 nahmen insgesamt 655 Künstler mit 2.700 Werken teil. 343.410 Besucher sahen sich die sechste Documenta an.

 

Ich war einer der 343.410 Besucher und Beobachter des Diskussionsforums der Free International University (FIU) mit Joseph Beuys. Ich war da, am Sonntag, dem 2. Oktober 1977 16 Uhr bei der Abschlussveranstaltung: „Dass die denkenden Köpfe sich nicht beugen“.

 

Die Honigpumpe am Arbeitsplatz ist eine Installation des Künstlers Joseph Beuys, die erstmals auf der Documenta 6, 1977 im Museumsgebäude Fridericianum in Kassel der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Es handelte sich dabei um eine über mehrere Räume verteilte technische Anordnung, die 150 kg Honig durch ein umlaufendes Schlauchsystem pumpte. Neben der Honigpumpe rotierte eine Kupferwelle in 100 kg Margarine. In einem der Documenta-Räume mit permanentem Diskussionsforum, durch den der Schlauch der Honigpumpe und der in ihm ununterbrochen zirkulierende Honig geleitet war, um mit den Besuchern über seinen Erweiterten Kunstbegriff, die Soziale Plastik und eine direkte Demokratie im Rahmen des hundert Tage dauernden Forums der Free International University (FIU) zu diskutieren. „Mit der Honigpumpe drücke ich das Prinzip der Freien Internationalen Universität aus, im Blutkreislauf der Gesellschaft zu arbeiten. In das Herzorgan – dem stählernen Honigbehälter- hinein und aus ihm heraus fließen die Hauptarterien, durch die der Honig mit einem pulsierenden Ton aus dem Maschinenraum gepumpt wird, durch das Gebiet der Free University zirkuliert und zum Herzen zurückkehrt. Das ganze Gebilde wird erst vervollständigt durch die Menschen im Raum, um den die Honigarterie herumfließt und in welchem der Bienenkopf in den aufgerollten Schlauchwicklungen mit seinen eisernen Fühlern gefunden werden kann.

#kunst

Ab wann wird denn die Kunst zur Kunst?

Doch nicht wenn sie ausgestellt wird oder an einer Kunstschule hergestellt wurde. Doch sicher wenn der Künstler, als Künstler einen Wert besitzt. Wenn jemand, am Beispiel eine Auktion, den Wert bestimmt hat. Und sicher haben Rembrandt, Van Gogh, Leonardo und viele einen klar zu benennenden Wert. Aber Bilder in Galerien oder Ausstellungen tragen zwar ein Preisschild, besitzen jedoch keinen Wert. Und viele auch von Laien gut besuchte Ausstellungen haben doch überhaupt nichts mit Kunst am Hut. Da ist es oft eine Schande, derart teure Farbe auf die Leinwand zu schmieren. Kunst auch erweitert auf Lyrik, Musik, oder Gesang. Nicht jeder ist ein Maler, der malt und nicht jeder ein Sänger, der singt. Viele überschätzen sich nicht nur, sondern werden auch noch ermutigt, zu tun, was sie nicht vermögen. Derjenige, der sagt, das ist aber gute Kunst, den möchte ich gerne fragen, dann kauf sie doch, was ist sie dir wert? Und dann sind wir auf dem Boden der Tatsachen.

Picasso sagte: Die Kunst ist nicht dazu da unsere Wände und Wohnungen zu schmücken, die Kunst ist eine Waffe gegen den Feind. Ein Gedicht als ein Maschinengewehr gegen politische und religiöse Schwätzer.

Die erste Kunst war Homers Schilderung des Schildes des Achilles.

Meine Erklärung zur Kunst ist philosophisch und bezieht nicht nur Malerei, Fotografie und Plastik, sondern auch Musik, Architektur, Gesang, Tanz und Dichtung ein.

Kunst stellt etwas dar, welches ein Gefühl darstellt. Etwas künstlerisch darstellen, bedeutet mehr als eine Darstellung in der Kunst. Eine Pfeife darzustellen, die in der Realität keine Pfeife ist, bedeutet mehr als eine Pfeife darzustellen die keine Pfeife ist.

Die Frage hieß auch: Ab wann wird Kunst und nicht was ist Kunst. Es ist auch ein Problem des Betrachters, der nach jedem Kaufhausbild oder Hundepfotenabdruck meint es sei Kunst, alles sei Kunst, was besser sei als die eigene künstlerische Fähigkeit.

 

Der Kunstmarkt ist ein Oxymoron. Kunst hat nur wenig mit Markt zu tun und nur für jene, die erkennen, Kunst ist ein Markt. Der Künstler bestimmt sein Werk mit einem Preis, den der Markt nicht rechtfertigt. Er fragt nicht einmal den an Kunst interessierten, welchen Betrag dieser bereit ist, für sein Begehren zu bezahlen. Er verdoppelt gleich den Betrag. Dies hat sicher keinen Bezug zur Kunst. Dies gilt auch oft für andere Produkte. Nur wer erst mal sein Werk verkauft … egal zu welchem Preis, hat erst einmal eine Basis. Damit kann Kunst beginnen. Unverkauft, auch wenn der Preis noch so hoch, ist, wertlos .. bis in Ewigkeiten. Ist ein Werk erst einmal verkauft, wollen auch Andere ein Werk, und das nicht nur wegen dem Werk. So funktioniert Markt. Der Kunstmarkt verkauft heute Milch in Goldtüten. Es besteht ein Überangebot, aber man versucht das Produkt unerschwinglich zu machen, auch wenn der Versuch noch so verrückt ist.

 

Kunst oder Schwindel, das ist hier die zweite Frage. Die Zukunft der Kunst ist ihre Gegenwart. Denn die Kunst ist nur an der Zukunft interessiert. Es gibt keine Kunst der Vergangenheit. Man kann nicht mehr wie gestern dichten, oder malen oder singen. Diese alten Opern sind doch nur für verlorene Humanisten. Für Leseratten verrückte wie Don Quichotte. Der Christusgedanke ist der Gedanke der Auferstehung. Gott ist tot es lebe die Kunst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Manfred H. Freude

 

In einem Zug geschrieben von Manfred H. Freude www.freude-autor.de

In einem Zug geschrieben.

Der Mensch steigt in einen Zug.

Indem der Zug anfährt, beginnt der Entzug. Er entschwindet dem Woher, zu einem Wohin. Er entbirgt sich, einem Zielereignis hinzu. Das Unheimliche des Abfahrtortes zu einem unheimlich möglichen Zielort. Flucht vor der Unheimlichkeit des Daseins. Auf halber Strecke zeigt der Zug, als ein Zeichen des Entzugs, auf oder in den Entzug. Ein qualifizierter Entzug ist nur eine übliche Verspätung der Bahn. Nach dem Entzug seiner Lizenz steht er vor dem Nichts. Verweist auf die Flucht vor dem „im Zug sein“. Diese Zugschickung entzieht sich gleichzeitig. Abfahrt und Ankunft sind Begriffe des zugleich Zugehörendem. Mit der Ankunft wird sogleich die Abfahrt entzogen. Der Mensch erfährt bei der Rückfahrt gleich den Zug des Entzugs. Zeigend zum im Zug sein, gehört das Zeigen dadurch, dass der Mensch im Zug ist, so fährt dieser ins Nichts. Das im Zug sein, ist das unheimliche. Der Zug repräsentiert dieses zugleich von Ort und Unort. Er repräsentiert den Entzug, als repräsentative Präsenz dessen, was noch nicht ist. Der Mensch ist unterwegs, auch im Zug, überall hinausfahrend zum Nichts. Es ist das Zugige, das, obwohl man entgegenfährt, einem zukommt. Im Verzug löst man Fälle Zug um Zug. Während sich der Zug in einem Zug leert. Der Zug als ein Zug des menschlichen Charakters.

Ein literarischer Streifzug.

Ich weiß von der Schwelle des Zuges, der rattert und rattert. Ich weiß von den Gleisen. Den Gleisen der Bahn die am Ende. Ich weiß von dem, was niemand wusste. Was niemand wissen wollte. Ich weiß von Vergessenen, unvergesslichen. Nie zu vergessen. Und als sie ausstiegen, war ihr Glaube groß. Als sie ausgestiegen, war ihre Hoffnung groß. Und als sie ausgestiegen, war alles groß. Und es war Arbeit und es war Tod und einer zur Arbeit und einer zum Tod. Und sage nicht und frage nicht und tue und gehe. Und der Himmel war wie immer und es war nicht wie immer es war kein Rauch und war kein Atem und Asche nicht. Und Menschengedenken kleideten schlecht. Sie lehrten nichts, sie lernten nichts, und wusste nichts und das Ende war kein Ende und das Ende war kein Anfang, es liegt nicht am Grunde des Meeres, es liegt an bekannten Orten. Orte die tun nichts zur Sache. Am Zugende öffnen sich die Gleise neu.

Die Abfahrt des Zuges entspricht (ist gleich) nicht nur mehr dem Fahrplan. Der Grund ist nicht der, weil wir eine Fahrkarte haben, auch nicht weil der Zug abfährt, sondern vielmehr, weil alle Züge nach dem Fahrplan abfahren (das Ganze). Der Zug bewegt sich nicht von der Stelle. Vielmehr dringt er in den Bereich zum nächsten Halt ein. Keine Abfahrt, kein Ziel. In der Wirklichkeit gibt es keine Unterschiedlichkeit, sondern nur der Zug ist ein einziges unveränderliches und festes Ganzes und die Alltagswahrnehmung von einer Zugfahrt und die Bewegung, sind nur bloßer Schein. Der Zug steht, wir steigen ein, der Zug steht (an einem anderen Ort) wir steigen aus. Wir können eigentlich nicht sicher sein, dass wir am Ziel aussteigen. Von unserem Warten im Bahnhof wechseln wir zum Warten im Zug. Einen Aufzug betreten wir auf einer Ebene und steigen in der zwanzigsten Etage auf gleicher Ebene aus. Wir haben nicht die Erfahrung als seien wir die vielen Etagen Treppen hinaufgestiegen. Auch bei der Zugfahrt haben wir nicht diese Erfahrung als seien wir an der Strecke nebenher gelaufen, geradelt oder mit dem Auto gefahren. Dass gleiche gilt für das Lesen eines Buches. Wir steigen ein und steigen aus. Selten erleben wir die Zugfahrt als Erlebnis. Das wir heute das Zugfahren nicht problemlos wahrnehmen ist das Problem der Bahn, weil es ständig weitere Probleme gibt. Bei einem guten Werk nennt das Feuilleton dann den Autor nicht Schriftsteller, sondern Dichter. Das positive Erlebnis erfährt man besonders in U-Bahnen oder bei den Schnellzügen in Japan. Die Massen strömen in den Zug, stehen dort und schon öffnen die Türen in einem anderen Bezirk.

 

Nach unserer Ankunft wissen wir, wo die Fahrt hinführt. Arbeiten oder Sterben. Nur diese zwei Optionen. Ein Zug bis zur Rampe, ohne Wiederkehr. Alles nette Menschen. Sanftmütig. Sobald man sie gestreichelt hat und ihnen schmeichelt, „die Deutschen“. Sie lesen viel. Und wer viel liest, verbirgt den Mörder in sich. Der Reiz des Bösen ist das „schöne Buch“. Nichts Schöneres und keine romantischeren Texte als diese Briefe eines Massenmörders oder Kinderschänders an seine Geliebten, die Verbrecher lieben. Briefe sind wie Bücher. Sie werden von vielen gelesen. Die Leserin als die Retterin sieht sich als die Heldin in der Geschichte. Sie glaubt an den Helden, den alle Anderen verachten. Sie als die Seelenforscherin, will das Böse kennenlernen. Den Mörder im Krimi. Den Abgrund ihrer Seele im Spiegel sehen. Das Morden, Töten, Vergewaltigen, Schlachten ist das männliche. Das zählt für die schwache Frau als Stärke, Schutz und Sicherheit. Der erotische Reiz des Lesens. Diese Macht, jemanden zum Duschen zu schicken, oder diese Kindergärtnerin, die befiehlt, die Hände zu waschen. Diese perversen deutschen Zugfahrten nach Auschwitz. Niemand fährt freiwillig ins Konzentrationslager.

 

Wer bin ich und wer bist Du?

Hans-Georg Gadamer. Atemkristall ist der erste Zyklus des Gedichtbuches Atemwende, das 1967 im Suhrkamp Verlag erschien. Gadamer sieht in diesem Zyklus einen „Höhepunkt der celanschen Kunst“; er versucht, ihn real interpretierend und kommentierend zu entschlüsseln und darzustellen.

 

„Es führt ein Buch nach nirgendwo, an jedem Bahnhof hält es an“. Dies ein Ohrwurm und heißt doch eigentlich: „Es fahrt ein Zug, nach nirgendwo“, von Christian Anders, Mai 1972. Vielleicht ist diese Metapher der Sinn, der im Lesen steckt, immer wieder zu lesen. Wie oft schrieb nicht ein Dichter: „Ich habe dieses Buch in einem Zug geschrieben“. War es ein Eisenbahnzug oder in einem Stück? Was führt dazu, ein Buch bis zum Ende zu lesen? Ist es unsere Langeweile? Die Langeweile ist Gegenstand philosophischer, kulturwissenschaftlicher, psychologischer und pädagogischer Betrachtung. Im dichterischen Werk Charles Baudelaires hat der französische Begriff für Langeweile, Ennui, einen zentralen Stellenwert. Die Langeweile gibt es, oder es gibt nicht oder man weiß es eben nicht. Wohin führt das Buch? Das ist hier die Frage. In der Einleitung führt ein Buch nach nirgendwo, aber es hält auch an jedem Bahnhof. Richtig ist, dass der Leser in einem Roman die Realität erfährt, aber falsch ist, dass der Leser glaubt, die Personen wären Realität. Wie es unterschiedliche Sprachverhalten gibt, und das Lesen ist eine Einübung von Sprachverhalten, so gibt es auch unterschiedliche Leseverhalten, aber besser sage ich hier Lesegewohnheiten. Die Lesegewohnheit führt natürlich direkt zur Verbindung mit der Langeweile. Langeweile ist aber in dieser Erklärung nicht zu verstehen im allgemeinen Gebrauch des Wortes, vielmehr als radikal positive Verwendung. Nun rede ich hier über ein Buch, das über die Rede über ein Buch eines anderen, dritten Autors, nämlich einem Gedichtband, handelt. Und der Interpret und Kritiker Hans-Georg Gadamer gibt diesem Buch den Titel: Wer bin ich und wer bist du? Die Beschäftigung mit den Gedichten von Paul Celan und mit dem Menschen und dem Leben und Tod Celans. Diese Suche nach dem Sein des Heideggerkenners Celan und Gadamer dem Schüler Heideggers hier in den Gedichten die Vollendung des Seins zu spüren. Heidegger, Celan und Gadamer, wollen wissen: Wer bin ich und wer bist du? Es sind, diese ewige Suche nach einem Eigenen ich, das nur im eigenen Denken, der eigenen Reflexion mit Worten erreicht werden kann.

Warum liest man Romane? McLuhan: Ein heißes Medium verlangt weniger Beteiligung als ein kaltes, genauso, wie eine Vorlesung weniger Beteiligung als ein Seminar und ein Buch weniger als ein Dialog erfordert. Also diese Folgerung, dass ein Buchleser nicht an Dialogen interessiert ist. Er erzählt er habe dies oder das gelesen und sein Gegenüber ist begeistert, er hat es auch gelesen oder er kennt das Buch nicht und der Leser dreht sich um. Der Leser hat die Aufgabe die diskursiven Taktiken des Autors die er seinem Roman eingeschrieben hat zu aufzulösen und zu entschlüsseln. Was passiert wirklich. Was ist die Wahrheit? Der Leser muss davon ausgehen, dass der komplette Text eine notwendige Logik besitzt, nämlich diese Logik, die der Autor in sein Werk hineingelegt hat. Der Leser ist jedoch der Autor selber. Er ist Autor, Leser, Opfer und Täter selbst.

 

Es ist diese Frage nach dem Ursprung.

Warum ist etwas und nicht vielmehr nichts? Warum lesen wir? In einem Zug. Suchen wir das Ziel. Wir warten auf die Ankunft des Zuges und warten auf die Ankunft am Ziel des Zuges. Wir sind noch nicht dort. Vielleicht müssen wir wieder zurück? Die Form ist die (ein Buch) Bahn, Bahnsteige, Gleise, Stellwerke und Züge. Der Stoff ist jede Episode (eines Buches), jeder Streckenabschnitt. Die Bewegung liegt im Handeln, (Lesen, schreiben) Einsteigen, Abfahren. Das Ziel ist ein Ziel zu haben, der Fahrplan, die Fahrkarte nach irgendwo. Ein Buch ist das Angebot einer Bahnreise. Man sollte schon, wenn man einmal dabei ist, ein Buch in vollen Zügen genießen, also es auskosten, bis zum letzten Zug. Dass man schon einmal einen Zug vorausdenkt, versteht sich hierbei von selbst und hierbei erhält das Wort Zugzwang eine völlig neue Bedeutung. Viele Züge sind jedoch nicht immer erlaubt. Der Autor schreibt an seinem Text zügig weiter, während der Leser ihn in einem Zug verschlingt. Obwohl alles höchste Eisenbahn ist, ist an der Zugspitze das Ende. Es bleibt ein Charakterzug sich geistig mit Literatur ethisch auseinanderzusetzen.